Wenn die Mozartkugeln ins Rollen kommen und Gedanken ins Rollen bringen Projekt MiDiLi- Starttreffen in München 31.Oktober bis 02.November 2008

Der Projektkoordinator Elmar Busse hatte in den Tagen vor den Treffen schlecht geschlafen. Kurz hintereinander kamen die krankheitsbedingten Absagen aus Schottland, England und Polen. Und auch aus Tschechien konnte wegen Krankheit nur ein "halbes" Ehepaar anreisen. Doch bei allen worst-case-Planspielen im Vorfeld gab es einen beruhigenden Grund: Mit Ungarn, Österreich, Spanien und Deutschland wurde doch die behördlich vorgeschriebene Mindestzahl von 4 Ländern für ein Grundtvig-Projekt erfüllt. Die Sorgenfalten verschwanden, als er - gerade auf dem Münchner Bahnhof angekommen - die österreichische Delegation traf. Auch diese war krankheitsbedingt von 4 auf 3 Teilnehmer geschrumpft. "Vielleicht sollte man solche Treffen nicht in der typischen Grippe-Jahreszeit ansetzen!", ging ihm noch durch den Kopf. Mit S-Bahn und Bus ging's in das Tagungszentrum im Süden von München. Parallel zum Startkongress lief dort ein Treffen von jungen Erwachsenen, so dass das Haus einem Ameisenhaufen glich. Die vorher gemailten Fotos sorgten dafür, dass die Richtigen zusammenfanden - schon vor dem Konferenzraum.

Mit dem für Österreich typischen Charme ließen die Teilnehmer aus dem Nachbarland, die die Moderation des Treffens übernommen hatten, zur Begrüßung gleich mal Mozartkugeln - eine süße Spezialität aus Salzburg - über die Tische rollen. Doch es hätte gar nicht solche Motivationshilfen gebraucht (auch wenn alle sie genüsslich auf der Zunge zergehen ließen), denn - das stellte sich gleich heraus - alle waren hoch motiviert, in diesen europäischen Erfahrungsaustausch hinein zu finden.

Da die teilnehmenden Ehepaare diese Arbeit alle ehrenamtlich machen, bestand die Vorstellrunde nicht nur im Beschreiben der eigenen familiären Situation sondern auch im Erzählen, wie aus zufriedenen Konsumenten der Erwachsenenbildungsangebote der Schönstatt-Familienbewegung im Laufe der Jahre engagierte Ehrenamtliche geworden waren. Da ergaben sich gleich über Grenzen hinweg die ersten Konstanten, über die wir uns ja an diesem Wochenende austauschen wollten. Bei allen Paaren standen am Anfang intensive seelische Wachstumsprozesse, die durch die ressourcenorientierte Art, wie sie in der Schönstatt-Eltern- und Familienbildung üblich ist, ausgelöst wurden. Diese ließen mit der Zeit dann den Wunsch wach werden, das eigene know how möglichst vielen anderen Paaren weiter zu geben, die sich schwer miteinander taten oder gleich von vornherein ihr gemeinsames Leben auf ein solides Fundament stellen wollten.

Mit Liedern und Gebeten endete der erste Abend dieses Treffens.

 Der Samstagvormittag bestand aus einer ausgiebigen Austauschrunde: Welche verschiedenen Veranstaltungstypen werden in den einzelnen Ländern überhaupt angeboten?  Bedingt durch die föderative Struktur der Schönstatt-Bewegung generell und auch in den Ländern konnten aber nur vage Schätzungen über die Teilnehmer an diesen Angeboten gemacht werden. So wurde das im Projekt formulierte Ziel, genaue statistische Daten in den Teilnehmerländern zu erfassen, von innen heraus evident.

 Am Nachmittag stellte Projektkoordinator Busse noch einmal das Gesamtprojekt vor, die Aufgaben, die für die einzelnen Treffen vorgesehen sind, sowie die Arbeit, die zwischen den Treffen zu geschehen hat. Auch die Geschichte, wie es im Dezember 2007 zu dem Projektnamen MIDLI gekommen war, wurde zum Besten gegeben.

Das Akronym "MIDILI" ist die Abkürzung des deutschen Mottos: "mit dir in Liebe verbunden". In diesem Motto lassen sich die vielen Aktivitäten am besten bündeln.  Das war die Meinung des Vorbereitungskreises. Natürlich waren schon im Vorfeld der Projekterstellung viele mails und Telefonate hin und her gegangen, aber es war doch gut, nochmals im lebendigen Austausch den roten Faden neu in den Blick zu bekommen. Manche Absprachen im Vorfeld waren ja auch mit den Leitern der jeweiligen Einrichtung getroffen worden, während sich jetzt hier in München die ernannten Projektansprechpartner zusammen gefunden hatten.

Für Irritation sorgten auch die unterschiedlichen Vorgaben der jeweiligen Nationalagenturen, so dass manche Frage erst erstand, die aber auf die Schnelle nicht geklärt werden konnte. Das sollten dann die Tagungsteilnehmer mit ihren Nationalagenturen nach der Heimfahrt klären.

Am Abend wurde dann ausgiebig über die Voraussetzungen einer gemeinsamen Dokumentation diskutiert. Da trafen begeisterte Macintosh-User auf Windows-Nutzer, und die wiederum spalteten sich auf in die XP-Anhänger und Vista-Fortschrittlichen. Wenn das Wort erlaubt ist, die Argumentation hatte durchaus etwas von einem Glaubenskrieg an sich. Zum Glück waren die Herren Heitkemper und Frick Fachleute, sie erläuterten die Konvertierungsmöglichkeiten, und so einigte man sich darauf, dass der Austausch der Dateien und das Rohmaterial für die zu erstellende homepage auf dem Betriebssystem windows-XP  basieren sollte.

Mit ungarischen Rotwein wurde spätabends dann die Einigung begossen. Und mit dem Wechsel des Themas war sowieso das gleiche große Anliegen wieder das vorherrschende Band der Einheit.

 

Am Sonntag lief der Austausch über die schon vorhandenen Periodika in den jeweiligen Ländern.

Die Daten wurden in einer eigenen Datei erfasst und sollen für Insider auf der homepage zugänglich gemacht werden. Engere Zusammenarbeit wurde gleich zwischen Tschechien und Österreich vereinbart.

Ein innovatives Projekt, das in Ungarn entwickelt wurde, weckte die Neugier aller Teilnehmer. Es geht um einen meditativen Ehepaar-Weg mit 14 Stationen. Eine Künstlerin hat auf dem 1,5km langen Weg 14 Tafeln gestaltet. Auf jeder Tafel steht eine typische Wachstumsherausforderung für Paare bzw. Eltern, ein passender Bibelspruch und eine Startfrage für ein Paargespräch. Da gibt es provozierende Aussagen wie "Liebe darf wehtun", aber auch notwendige Schritte wie "Wir lassen unsere Kinder los" Dazu gibt es ein Textheft, an dem 18 ungarische Paare mitgearbeitet haben.  Zur großen Überraschung überreichte Ehepaar Varga jedem Teilnehmer ein Textheft in deutscher Übersetzung. Mit der Frage, ob wo und wie ein solcher meditativer Eheweg in den anderen Ländern erstellt werden kann, endete der Konferenzteil.

 

Mit einem Gottesdienst und anschließendem Mittagessen endete das erste Starttreffen.

Bei der Auswertung wurde noch bedauert, dass es gar keine Zeit für einen Ausflug in die Münchner Innenstadt gegeben hat. Es war ein richtiges Arbeitstreffen gewesen. Die gekonnte Moderation durch die österreichische Delegation wurde mehrfach gelobt. Der Blick geht nach vorn.