Treffen in Vallendar-Schoenstatt

Treffen vom 8. bis 10.Mai in Vallendar-Schoenstatt

"Damit habe ich gar nicht gerechnet, dass eines der vorgestellten Projekte mir ganz konkret für meine berufliche Situation so viele Anregungen geben kann", meinte ein ungarischer Schuldirektor, nachdem eine englische Kollegin über die Erarbeitung eines neuen Leitbildes in ihrer Schule berichtet hatte. Denn eigentlich waren die 9 Delegationen aus 7 Ländern zusammen gekommen, um über offene präventive Familienarbeit sich auszutauschen. Im Rahmen eines  von der EU geförderten zweijährigen Erfahrungsaustauschprogrammes berichteten die Teilnehmer über Veranstaltungstypen und PR-Kampagnen, die in den jeweiligen Ländern (Deutschland, Österreich, Ungarn, Tschechien, Großbritannien, Polen und Spanien) von der Schönstatt-(Familien)bewegung organisiert und beworben werden. Bis auf die Patres und Schwestern sind ja die meisten Ehepaare ehrenamtlich in der Bewegung tätig und investieren viel Freizeit in das Familienapostolat. Schwerpunkt bei diesem Treffen war der Austausch über Formen der Ehevorbereitung. In Österreich hat man gute Erfahrungen mit einem - 6 Abendtermine umfassenden - Seminar gemacht, während in Deutschland sich die mehrtägigen Seminare über Ostern, Pfingsten und  Silvester großer Beliebtheit erfreuen. Manche Länder, die bisher nur Wochenenden anbieten, wollen diese Formen intensiverer Ehevorbereitung übernehmen. Die Beobachtung der gesellschaftlichen Wirklichkeit deckte sich in den meisten Ländern: junge Leute bringen aus ihren Herkunftsfamilien vielfach nicht die nötige Sozialkompetenz mit, um ein so vielseitiges Projekt, wie es die Ehe und Familie darstellt, umsichtig zu gestalten. Gab es im letzten Jahrhundert noch viele nicht hinterfragte Selbstverständlichkeiten im Blick auf die Ehe, die Aufgabenverteilung, die Rollenerwartungen und die Unauflöslichkeit der Ehe, so ist es heute in allen Ländern notwendig, dass die Paare im Rahmen der Ehevorbereitung sich ihrer unbewussten Erwartungen bewusst werden und ihre Zukunftsvorstellungen aufeinander abstimmen.

Da es in einigen Ländern schon seit vielen Jahren solche intensiven Formen gibt, wäre eine Untersuchung der Ehestabilität der Absolventenpaare interessant. Dazu müssen aber in den Ländern präzisere Studien durchgeführt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt des Austausches bestand in der Elternarbeit an Schulen. Stabile eheliche Beziehung der Eltern wirkt sich erfahrungsgemäß positiv auf die Leistungen der Schüler aus. Eine Schule, die an guten Leistungen ihrer Schüler interessiert ist, wird demzufolge die Elternarbeit über die bisherige Beteiligung der Eltern an Schulprojekten hinaus erweitern und gezielt die kommunikativen und pädagogischen Fähigkeiten der Eltern verbessern. Erste Pilotprojekte in Madrid und Mainz sowie die ausführliche Darlegung der Arbeit mit Eltern und Schülern an einer kirchlichen Schule in einem sozialen Brennpunkt in Manchester zeigen ganz neue Dimensionen möglicher Elternarbeit auf.

Die Ausbildung von Ehepaaren zu Familientrainern, die inzwischen in 6 europäischen Ländern angeboten wird, legt den Schwerpunkt auf die Befähigung von Paaren, andere Paare in den ganz normalen Schwierigkeiten des Ehe- und Familienalltags zu begleiten, soziale und kommunikative Fähigkeiten zu vermitteln, die Lebenshilfen, die der Glaube bietet, anwenden zu lernen und die Freude an dieser Lebensform immer wieder selber glaubwürdig zu bezeugen.

Gottesdienste im Urheiligtum, in der Gründerkapelle sowie beim Heiligtum der Familien ermöglichten Räume der Stille und Vertiefung und schenkten den Teilnehmern ein neues Wir-Gefühl auf einer tiefen Ebene.

Ein internationaler Spezialitätenabend belohnte die Teilnehmer nach dem anstrengenden Tagesprogramm. Mit polnischer Wurst, tschechischem Becherovka, spanischem Wein und schottischem Whisky und vielen anderen Leckereien wurde die europäische Vielfalt auch für den Gaumen zum Erlebnis.    

Die Fortsetzung dieses Erfahrungsaustausches findet im Herbst in Warschau statt.